Seit 30 Jahren sind die Kirchengemeinde St. Gallus und die Gemeinde Cristo Ramos in Porcón miteinander in Verbundenheit und gegenseitiger Wertschätzung unterwegs. Dieses Jubiläum feierte die Gemeinde St. Gallus mit einem Festgottesdienst am Sonntag, den 22. Mai 2022 zusammen mit ihren Besuchern Padre Alex Urbina, dem Pfarrer von Porcón, und seiner Nichte Luisi Adalid, einer jungen Frau aus Cajamarca. In seiner Predigt betonte Padre Alex, dass es die Aufgabe der Kirche heute ist, Gemeinschaft zu stiften, Orientierung zu geben, den Schwächeren zu helfen, so wie Jesus es uns vorgelebt hat. Der Festgottesdienst wurde mitgestaltet von einem Projektchor, begleitet von einer Flötistin und einer Band, unter der Leitung von KMD Georg Grass, die die thematisch passende „Misa de Solidaridad“ von Thomas Gabriel aufführten. Eine mitreißende Darbietung, die am Ende des Gottesdienstes mit viel Beifall bedacht wurde.

Gottesdienst am 22. Mai 2022 mit Pfarrer H. Riedle und Padre Alex

 

 

 

 

 

Foto: Johannes Junker 

 

Am 24. Mai 2022 fand dann der Gemeindeabend statt, an dem Padre Alex, Luisi und Franziska Wieder vom Leben in Porcón und Cajamarca erzählten. Franziska war noch kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie, von September bis Dezember 2019, als Mitarbeiterin an der Grundschule in Porcón. Sie wurde von den Lehrern und den Kindern begeistert empfangen und denkt noch heute mit Freude an ihre Zeit dort zurück. Auch in dem „Frauenhaushalt“ von Luisi und ihrer Mutter Digna in Cajamarca, wo sie während ihres Aufenthalts wohnte, lernte sie die peruanische Gastfreundschaft kennen und konnte an Festen und Ausflügen der Großfamilie teilnehmen. Luisi stellte dann einige junge Menschen, oft schon mit Familie, aus ihrem näheren Umfeld vor.

Foto: Johannes Junker 

Die Zuhörer erfuhren von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen junge Erwachsene in Peru zu kämpfen haben. Studenten arbeiten oft, z.B. in der Altenpflege, um ihr Studium zu finanzieren und ihre Familien zu unterstützen. Auch Universitätsabsolventen mit Masterabschlüssen erhalten nur eine Anstellung, wenn sie auf „Beziehungen“ zurückgreifen können. Befristete Arbeitsverträge, jeweils nur für drei Monate, sind die Regel, sodass die jungen Menschen kein verlässliches Einkommen haben. Zum Schluss berichtete Padre Alex noch über das Leben in Peru während der Corona-Pandemie. Da das Gesundheitssystem total überfordert war, der Impfstoff erst spät nach Peru kam und sich viele Anhänger der evangelikalen Kirchen nicht impfen lassen, gab es viele Todesopfer zu beklagen. Peru befand sich zwei Jahre in einem harten Lockdown. Erst seit März 2022 sind die Schulen wieder geöffnet und das soziale Leben kehrt allmählich wieder zurück. Es ist die Aufgabe der Schulen und der Kirchengemeinde in Porcón, den Menschen ihre Angst zu nehmen und ihnen wieder Möglichkeiten zum gesellschaftlichen Miteinander zu bieten. Nach den interessanten Vorträgen, bei denen auch viele Bilder gezeigt wurden, gab es noch Gelegenheit, mit den Gästen ins Gespräch zu kommen, was vom Publikum gerne wahrgenommen wurde.

Sibylle Müller, AK Peru